Adipositas-Zentrum am Evangelischen Krankenhaus in Bergisch Gladbach

Da Vinci®-Roboter - Operationen mit moderner Medizintechnik

Am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach gibt es ein Adipositas-Zentrum, das dickleibigen Patienten einen multimodalen Ansatz mit mehreren Therapien zur Behandlung anbietet.

„Unser zentrales Behandlungsziel besteht darin, gemeinsam mit den Betroffenen eine dauerhafte Reduktion ihres Körpergewichts zu erreichen“
, erklärt der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. med. Andreas Hecker.

Der Gesundheitsbote NRW ist für Sie im Gespräch mit Dr. Hecker. Er berichtet über das umfassendes Therapiekonzept, das zentrale Bausteine wie Ernährungsumstellung und Bewegung beinhaltet.

Herr Dr. Hecker, wie unterstützen die Ärzte und Mitarbeiter des Adipositas-Zentrums die Menschen dabei, ihr Gewicht zu reduzieren?
Das Schwierigste ist für viele Patienten Ihr Leben grundlegend umzustellen. Hierbei unterstützen wir sie mit einer Vielzahl von Therapieangeboten. Dabei ist eine Operation immer der letzte Schritt. Wir sind über jeden Patienten dankbar, den wir nicht operieren müssen.

Wenn es heißt, man soll seine Lebensumstände ändern, muss man bedenken, dass die alten ja nicht schlecht waren. Ausgenommen, die Patienten litten unter Essstörungen oder psychischen Erkrankungen. Der klassische Wohlstandsesser hat sein Gewicht nicht dadurch bekommen, dass er schlecht gelebt hat. Er hat sich wohlgefühlt, das Essen hat geschmeckt, auch wenn es ihn dick gemacht hat. Das ist eben der Nachteil an geschmackvollen Sachen mit einem hohen Fett- und Zuckeranteil. Diese Gewohnheiten aufzugeben, obwohl es einem nicht schlecht geht, fällt sehr schwer. Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes zwingen die Patienten oft zu einem Handeln oder sie möchten sich einfach davor schützen.

Was bietet das Adipositas-Zentrum für Therapien an?
Wir bieten ein komplettes Programm aus Sport- und Ernährungsberatung sowie psychologischer Beratung. Dem Krankenhaus ist das Institut für Prävention und Rehabilitation – PUR – angeschlossen. Hier können die Patienten gemeinsam in Gruppen Sport machen. Das sind feste Trainingseinheiten. Begleitend dazu erhalten sie Kurse zur Ernährungsberatung. Daneben bieten wir auch eine individuelle Ernährungsberatung an. Hier wird mit dem Patienten persönlich in mehreren Sitzungen besprochen, was in der Ernährung falsch gemacht wurde, was muss geändert werden und mit ihm zusammen individuelle Ernährungspläne erstellt. Wir stellen den Kontakt zu Selbsthilfegruppen her, die wir organisieren und mitführen. Falls eine Psychotherapie notwendig ist, können wir diese in der sich im Hause befindenden Psychologie und Psychiatrie veranlassen.

Das sind die wesentlichen Bausteine für die konservative Therapie. Alles ist komplett berufsbegleitend konzipiert, d.h. es sind verpflichtende Termin, die gut neben den Beruf zu schaffen sind.

Wenn eine Ernährungsumstellung und Bewegung nicht ausreichen, folgt dann ein operativer Eingriff?
Ein gewisser Erfolg der konservativen Therapie, auch wenn man es nicht unbedingt an den Kilos gemessen werden kann, ist vor jeder Operation erforderlich. Für eine Operation muss bei dem Patienten die Bereitschaft zu erkennen sein, sein Leben umstellen zu wollen, sonst hat auch eine Operation keinen Erfolg. Daher kommen nur Patienten in Fragen, die intensiv an sich arbeiten, wo der Gewichtsverlust allein aber nicht ausreichend ist.

Patienten, bei denen wir den Eindruck haben, dass sie es nicht ernst genug nehmen, die keine Bereitschaft zeigen an sich zu arbeiten, oder nur der Wunsch nach einer Operation führend ist, versuchen wir abzulehnen. Denn die psychischen Langzeitauswirkungen einer Operation sind noch nicht genügend untersucht. Deshalb ist es wichtig den Patienten zu begleiten. Es ist nicht gesagt, dass ein Patient glücklich wird, nur weil er 30 bis 50 Kilo verloren hat.

Gibt es medizinische Indikationen, bei denen Sie von einer Operation abraten würden?
Es gibt verschieden psychische Erkrankungen, bei denen man den Patienten vortherapieren muss. Aber auch Suchtstörungen, die gut eingestellt sind, sind keine absoluten Kontraindikationen.

Welche Operationen führen Sie durch?
Wir operieren einen Magenbypass oder einen Schlauchmagen, abhängig davon wie viel Gewicht abgenommen werden soll und was der Patient möchte.

Wir versuchen alle Operationen minimalinvasiv zu machen, unter anderem mit Hilfe eines da Vinci®-
Roboters. Der Schlauchmagen wir nur als minimalinvasive Operation angeboten. Hier bringt der Roboter nicht viele Vorteile. Aber für den Magenbypass stellt der da Vinci®-Roboter eine Verbesserung der laparoskopischen minimalinvasiven Technik dar. Die neuen Darmverbindungen können deutlich filigraner angenäht werden. Für mich als Chirurg ist diese roboterassistierte Operation technisch leichter und damit für den Patienten komplikationsärmer durchführbar.

Das Legen eines Magenbandes lehne ich ab. Es ist Fremdkörper, der in dieser Eigenschaft auch gesundheitlichen Probleme auslösen kann. Des Weiteren sind die Langzeitergebnise meines Erachtens nicht gut genug.

Welche Nachbehandlungen sind nötig?
Neben der normalen Wundversorgung muss der Patient vor allem darauf achten, dass er genug trinkt. Sein Magen ist jetzt deutlich kleiner und kann nicht mehr die übliche Trinkmenge aufnehmen. Auch durch die geringere Essenaufnahme können Vitaminen und Mineralstoffen nicht mehr in ausreichender Menge aufgenommen werden. Hier ist eine lebenslange Nachsorge nötig. Vitamine und Spurenelemente müssen zusätzlich in Tablettenform eingenommen und ihre Werte regelmäßig im Blut kontrolliert werden. Das machen die Hausärzte oder wir. Erst werden die Werte vierteljährlich, dann halbjährlich und zum Schluss jährlich geprüft. Die Patienten müssen sich nach einer Operation ein Leben lang anders ernähren als normale Menschen.

Tragen die Krankenkassen die Kosten für diese Operation?
Die Krankenkassen fordern vor einer Operation eine konservative Therapie von mindestens 6 Monaten. Der Patient muss seine Bereitschaft zeigen, seine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten umzustellen. Bei einem BMI über 40 oder über 35 mit den Komorbiditäten Bluthochdruck oder Diabetes sind sie zu einer Enzelfallprüfung verpflichtet und entscheiden dann, ob sie die Kosten übernehmen.


Evangelisches Krankenhaus Bergisch Gladbach
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