Damit die Wirkung nicht ausbleibt


Ratgeber Medizin: Antibiotika erfordern eine sorgfältige Verordnung und Einnahme

(djd). Erkältungszeit bedeutet Hochbetrieb in den Arztpraxen. Sind die Symptome der Patienten wie Husten, Schnupfen oder Halsweh besonders heftig, so kommen häufig Antibiotika zum Einsatz. Und zwar auch ohne dass die für die Erkrankung verantwortlichen Erreger identifiziert werden. Doch der Erregernachweis ist wichtig, denn rund 90 Prozent der Erkältungssymptome werden durch Viren ausgelöst. Und gegen Viren helfen Antibiotika nicht.

Vorschnelle Einnahme eines Antibiotikums oft unnütz

Close up the media plate on hand medical technicians working on bacterial culture and drug resistance of pathogens in laboratory.

„Antibiotika dienen ausschließlich der Bekämpfung von Infektionen, an denen Bakterien maßgeblich beteiligt sind“, betont beispielsweise Katja Fay, Apothekerin und Expertin für die Arzneimittelversorgung bei der mhplus Krankenkasse. Die vorschnelle Einnahme eines Antibiotikums sei somit oft unnütz. Viel gravierender als der mangelnde Nutzen sind jedoch die Folgen des häufigen Antibiotikaeinsatzes. Dabei sind die Nebenwirkungen der Arznei, wie etwa allergische Reaktionen oder Magen-Darm-Beschwerden, nur eine Kehrseite der Medaille. Weitaus besorgniserregender ist die Bildung von Resistenzen. „Resistenz bedeutet, dass sich die Erreger gegen die Wirkung des Antibiotikums schützen können. Damit büßen die entsprechenden Medikamente ihre Wirkkraft ein“, warnt Katja Fay. Komme es zu bedrohlichen Infektionen wie Hirnhautentzündungen, bei denen der Einsatz eines Antibiotikums absolut notwendig sei, so könne ein Ausbleiben der Wirkung zu schwerwiegenden Komplikationen führen oder sogar tödliche Folgen haben.

Auch der Patient ist gefordert

Doch nicht nur das häufige vorschnelle Verordnen eines Antibiotikums kann zu Resistenzen führen. Auch der Patient ist gefordert. „Der Patient muss die verordnete Arznei unbedingt nach den Vorgaben den Arztes oder des Apothekers einnehmen“, lautet der dringende Rat der Pharmazeutin. Denn auch zu kurz oder falsch eingenommene Antibiotika ermöglichten es den Bakterien, sich an den Wirkstoff anzupassen, dadurch würde ihre erfolgreiche Bekämpfung verhindert. Ergänzend weist Katja Fay darauf hin, dass Antibiotika nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen oder abgesetzt werden sollen. Rund 30 Prozent der 540.000 Versicherten der mhplus Krankenkasse haben 2016 eine Antibiotikatherapie in Arztpraxen erhalten. Davon erhielt rund die Hälfte eine gezielte Antibiotikatherapie nach Erregernachweis. In rund 50 Prozent dieser Fälle wurde auf Resistenzen der nachgewiesenen Erreger geprüft und so die bestmögliche Antibiotikatherapie ermittelt.

Hintergrundinfo Antibiotika

1928 entdeckte Alexander Fleming das Penicillin. Seitdem wuchs die Bedeutung von Antibiotika zu Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten. Mit der zunehmenden Zahl an Verordnungen geht jedoch eine wachsende Zahl an Resistenzen einher. Allein zwischen den Jahren 2000 und 2010 ist der globale Verbrauch von Antibiotika in der Humanmedizin um fast 40 Prozent angestiegen. 85 Prozent der Verordnungen in Deutschland erfolgen in Arztpraxen, 15 Prozent im Krankenhaus. Studien zeigen, dass in rund 30 Prozent der Fälle die Verordnungen unangemessen erfolgten, also entweder nicht notwendig waren, zu lange dauerten oder nicht wirksam waren.

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Das häufige vorschnelle Verordnen eines Antibiotikums kann zu sogenannten Resistenzen führen. Foto: djd/mhplus/pixelfokus – stock.adobe.com

Antibiotika dienen ausschließlich der Bekämpfung von Infektionen, an denen Bakterien maßgeblich beteiligt sind. Foto: djd/mhplus/analysis121980 – stock.adobe.com