Das Landbier und das Lebensgefühl

Traditionsreiche Rezepturen gewinnen immer mehr an Beliebtheit

Foto: djd/Brauerei C. & A. Veltins/Profilstudios GmbH Arnsberg

Das Pils ist bei den Bundesbürgern das mit Abstand beliebteste Bier – aber zur Abwechslung darf es gerne auch mal eine andere Geschmacksrichtung sein. Dabei gewinnen in den letzten Jahren vor allem Landbiere nach traditionellen Rezepturen immer mehr Liebhaber. 2018 gab es laut Nielsen-Marktforschung einen Zuwachs in diesem Segment um elf Prozent, inzwischen gibt es rund 90 Landbiermarken in Deutschland. Das Wachstum lebt von einem großen Trend: Die Menschen legen verstärkt Wert auf Regionalität und handwerklich produzierte Produkte. „Im Landbier äußert sich dieses Lebensgefühl, das Bier steht für das Bekenntnis zur Brautradition, aber auch für den Wunsch nach geschmacklicher Vollmundigkeit“, erklärt Ulrich Biene von der Brauerei C. & A. Veltins. Jede Brauerei habe ihre eigene Rezeptur, doch Gefälligkeit im Geschmack verbinde nahezu alle Landbiere.

Regionalität allein genügt nicht

Die sauerländische Brauerei selbst hat mit der Landbiermarke Grevensteiner altehrwürdiges Brauhandwerk wieder lebendig werden lassen. „Wir haben im Sinne der Authentizität bewusst ein Etikett gestaltet, das fast unverändert von einem Brauereibriefkopf der 1920er-Jahre übernommen wurde“, erläutert Bierexperte Biene. Am Seidel prange der über 100 Jahre alte Schriftzug der Familienbrauerei und die bauchige Steinie-Flasche signalisiere, dass hier solide Brautradition lebendig werde. Ulrich Biene ist davon überzeugt, dass beim Landbier neben dem Geschmack auch die individuelle Braugeschichte stimmig sein muss: „Regionalität allein genügt nicht mehr, um beim Verbraucher überzeugen zu können.“

Landbier emotionaler als Kellerbier

Neben den Landbiermarken gibt es in Deutschland auch noch eine Vielzahl an Kellerbieren. Sie sind geschmacklich zwar unterschiedlich, meinen aber den gleichen Biertyp. „Die Sortenbezeichnung Landbier wirkt allerdings deutlich emotionaler als der funktionelle Brauerbegriff des Kellerbieres“, zeigt sich Biene überzeugt. Wenn es um Genuss gehe, sei die Landbier-Benennung stärker und erklärender. Der Bierexperte aus dem Sauerland ist davon überzeugt, dass der Landbier-Trend und damit der Wunsch nach Regionalität und Verwurzelung weiter anhalten wird.