Depressionen –
Der Einsatz von neuromodulatorischen Verfahren

Das EVK orientiert sich an den aktuellen Entwicklungen neurobiologischer und psychotherapeutischer Verfahren, unter Berücksichtigung verschiedener Neurostimulationsverfahren.

Über 10% der Bevölkerung leiden mindestens einmal im Lauf ihres Lebens unter einer depressiven Episode. Entsprechend weist das Krankheitsbild der Depression die höchsten Behandlungszahlen auch in der akutpsychiatrischen Versorgung auf. Nach Angaben der WHO werden Depressionen bis zum Jahr 2030 die größte Bedeutung vor allen anderen das Leben beeinträchtigenden oder verkürzenden Erkrankungen haben. Über ein Drittel der Patienten sprechen nicht ausreichend auf eine medikamentöse antidepressive Therapiestrategie an. Bei 10 bis 20% der Patienten bilden sich die depressiven Symptome auch langfristig nur unzureichend zurück.

Hier möchte der neue Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach (EVK), Priv.-Doz. Dr. Fritz-Georg Lehnhardt, alternative und ergänzende Therapieangebote bereitstellen. Der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie war bislang als leitender Oberarzt an der Uniklinik

Priv.-Doz. Dr. Fritz-Georg Lehnhardt

Köln tätig und tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Ulrich Schultz-Venrath an. Auf seiner Agenda für die Tätigkeit am EVK hat Priv.-Doz. Dr. Lehnhardt die Einführung neuromodulatorischer Stimulationsverfahren stehen.

Bei den neuromodulatorischen Stimulationsverfahren rTMS, EKT und VNS handelt es sich um akutpsychiatrische Behandlungen, die neben den bekannten psychopharmakologischen und psychotherapeutischen Therapieverfahren bei Depression und Psychose eingesetzt werden können.

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), wie sie bereits an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln seit einigen Jahren durchgeführt wird, ist ein evidenz- und leitlinienbasierendes Stimulationsverfahren zur Behandlung der Depression. Hierbei wird in einer seitlich am Kopf aufgelegten, stromdurchflossenen Magnetspule ein rasch wechselndes Magnetfeld erzeugt, das nahezu ungehindert den Knochen durchdringt und bis in 1 bis 2 cm Tiefe der Hirnrinde einen schwachen Stromfluss erzeugt. Dieser kann in Abhängigkeit von der gewählten Impulsrate die Erregbarkeit der Nervenzellen modulieren. Das bei der Depression hierzu speziell ausgewählte Stimulationsareal liegt im Bereich des seitlichen Vorderhirns. Dieses Areal ist Teil eines bei der Depression fehlverschalteten Netzwerkes von Nervenzellen. Durch die repetitive Stimulation können auch die dazu in enger Verbindung stehenden tieferen Hirnstrukturen (limbisches System) erreicht und therapeutisch moduliert werden.

Die Behandlung wird in einer Serie von 5 wöchentlichen Sitzungen von circa 15 bis 30 Minuten Dauer über maximal 4 bis 6 Wochen durchgeführt. Indikationen für die rTMS sind akute depressive Episoden, insbesondere wenn noch keine höhergradige Therapieresistenz vorliegt. Besondere Vorteile der rTMS gegenüber den anderen Neurostimulationsverfahren sind die gute Verträglichkeit und die leichte Anwendung im klinischen Alltag.

Die früher auch als „Heilkrampftherapie“ bezeichnete Elektrokonvulsionstherapie (EKT) hat sich durch technische Neuerungen und moderne Narkoseverfahren zu einem hochwirksamen Routineverfahren in der psychiatrischen Versorgung weiterentwickelt. Durch eine elektrische Stimulation von wenigen Sekunden Dauer werden die Nervenzellen für meist 30 bis 60 Sekunden synchronisiert (generalisierter Anfall). Die Wiederholung dieser Stimulation über 8 bis 10 Therapiesitzungen, 2 bis 3 in der Woche, führt zu einer Neuausrichtung und Erholung von Nervenzellverbänden im Gehirn. Die EKT gilt als ein sehr wirksames Therapieverfahren in der Behandlung der Depression. Durch das Narkoseverfahren und die, wenn auch nur vorübergehenden, kognitiven Nebenwirkungen ist die EKT für die Patienten jedoch aufwendiger und belastender als die rTMS.

Die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) ist ein weiteres, etabliertes neuromodulatorisches Stimulationsverfahren bei der Depression, das Priv.-Doz. Dr. Fritz-Georg Lehnhardt in Kooperation mit der Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie an der Uniklinik Köln anwendet. Bei der VNS wird der linke Nervus vagus im Halsbereich nach operativer Anbringung einer kleinen Elektrode sowie eines programmierbaren Impulsgebers im linken Brustbereich (Schrittmacher), durch ein gepulstes elektrisches Signal stimuliert. Aufgrund der milden Stimulation und der indirekt vermittelten Wirkung auf das Depressionsnetzwerk entfaltet sich die antidepressive Wirksamkeit zwar erst mit einigen Monaten Verzögerung, weist dann aber eine große Nachhaltigkeit des Wirkeffektes auf. Die VNS ist also ein langfristiges neuromodulatorisches Verfahren, das für die Patienten mit häufigen und schwer zu behandelnden depressiven Episoden besonders geeignet ist.

Die unterschiedlichen Neurostimulationsverfahren sind wirksame und gut tolerierte Behandlungsverfahren und werden von den aktuellen Behandlungsleitlinien für verschiedene Indikationen empfohlen. Mit der Einführung der Neurostimulationsverfahren am EVK möchte Priv.-Doz. Dr. Fritz-Georg Lehnhardt das Behandlungsspektrum erweitern und ein für die Patienten individuelles und passgenau ausgerichtetes und an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiertes Therapiespektrum zur Behandlung der Depression anbieten.


Evangelisches Krankenhaus Bergisch Gladbach
Chefarztsekretariat Priv.-Doz. Dr. Fritz-Georg Lehnhardt
Frau Rother, Frau Gasch

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