Ein neues Konzept für Alkoholiker

Ein hoher Anteil von Suchtpatienten wird nach einem Entzug wieder rückfällig. „Sanft, schnell und nachhaltig dank Neuro-Elektrischer-Stimulation“ soll die Entzugstherapie laut NESCURE® funktionieren.

Ein hoher Anteil von Suchtpatienten wird nach einem Entzug wieder rückfällig. „Sanft, schnell und nachhaltig dank Neuro-Elektrischer-Stimulation“ soll die Entzugstherapie laut NESCURE® funktionieren. Der GESUNDHEITSBOTE NRW wollte mehr erfahren und sprach vor Ort mit Frau Dr. Reingard Herbst, Chefärztin der NESCURE Privatklinik am See, im Beisein von Herbert Höhlein, Geschäftsführer der Nescure GmbH in Bad Bayersoien.

Frau Dr. Herbst, was ist das Besondere an Ihrer Suchtbehandlung?

An erster Stelle steht die Mischung aus klassischen und modernen Therapieformen. Neben Gruppen- und Einzelgesprächen liegt ein wichtiger Fokus auf der Neuro-Elektrischen-Stimulation (NES), einer abgewandelten Form der Elektro-Akupunktur, die gezielt an den biochemischen Aspekten der Sucht ansetzt. Die NES stimuliert die Produktion von Glücksbotenstoffen. Dadurch kommt es zu einem sanften Entzug und hoher Motivation. Das hilft, um nachhaltige und grundlegende Verhaltensänderungen einzuleiten. Aber auch bei Erschöpfungskrisen helfen Glücksbotenstoffe bei der Genesung.

Reingard Herbst: Chefärztin der Privatklinik, die bei Murnau am Staffelsee liegt

Sie vertreten die Ansicht, dass ein gemeinsamer Start der Therapie für alle Patienten eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Gruppentherapie ist?

Oh ja, das bestätigen alle unsere Patienten. Der gemeinsame Start hilft enorm, die Gruppendynamik zu verbessern. Kein Neuankömmling fühlt sich schlecht, weil sich eben alle am Anfang fremd sind. Und spätestens nach 2-3 Tagen ist die Gruppe zu einer Einheit gewachsen. Das gegenseitige Vertrauen wächst und die Gruppenmitglieder unterstützten sich in ihrem Genesungsprozess gegenseitig. Durch den gemeinsamen Beginn sind die Patienten fast immer im gleichen Entzugsstadium, vorausgesetzt man mischt keine Indikationen (Alkoholiker sollten nicht mit Abhängigen von illegalen Drogen vermischt werden). Für die Therapeuten bietet der gemeinsame Beginn die Möglichkeit, ihre Therapieinhalte aufbauend anzubieten.

Ihre Klinik liegt an einem der schönsten Orte Deutschlands. Ist das für Ihre Patienten wichtig?

Der Standort der Klinik ist tatsächlich magisch. Die sanften Hügel mit dem Blick auf die Berge und dem wunderschönen See ist vor allem für unsere norddeutschen Patienten ein richtiges Aha-Erlebnis. Tägliche Spaziergänge um den See, oder die benachbarten Berge taugen nicht nur als Kulisse für Therapiegespräche. Sie holen den Menschen weg vom stressigen Alltag und lassen ihn wieder in die Natur eintauchen und Achtsamkeit lernen. Dazu unser schönes Haus, eine gemütliche Unterbringung in ruhiger, harmonischer Umgebung, der freundliche, respektvolle Umgang, eine gesunde Küche, Yoga, Massagen; all das fördert die körperliche und mentale Gesundung.

Bis heute konnten sich über 500 Patienten von der Wirksamkeit der Methode überzeugen.

Ja, die Nescure gibt es ja bereits seit über 8 Jahren, als Klinik nun seit über 4 Jahren. Wir konnten die Auswirkungen der NES bei allen Patienten feststellen. Besonders diejenigen, die vorher schon einen normalen Entzug gemacht hatten, berichten von einem völlig neuen Gefühl, mit viel weniger Entzugserscheinungen, ohne depressive Phase und vor allem kaum Suchtdruck. Pro Jahr kommen knapp 170 neue Patienten dazu, mehr Kapazität fasst unsere Klinik heute nicht.

Wer kommt zu Ihnen und woher?

Wir behandeln Menschen aller Altersgruppen, aus allen Sozial- und Berufsschichten, die Probleme mit Alkohol, oder mit Tabletten haben, oder auch generell mit ihrem Leben. Wir behandeln Menschen, die überfordert oder in Stresssituationen sind, zum Beispiel bei einem Burnout. Eine ganz bunte Mischung aus unserer Gesellschaft haben wir hier. Da wir aber eine Privatklinik sind, deren Leistungen nur von den privaten Versicherungen übernommen werden, ergibt sich eine gewisse Selektion. Wir sehen sehr häufig Unternehmer, Führungskräfte oder vermögende Pensionäre und zwar aus ganz Deutschland, Österreich, aus der Schweiz und sogar aus Übersee. Die meisten finden uns übers Internet. Allerdings werden wir vermehrt von Ärzten und Therapeuten empfohlen und manche kommen durch eine Zusammenarbeit unserer Klinik mit dem Unternehmen, in dem sie tätig sind.

Wie viele Patienten haben Sie in der Regel da?

Wir nehmen maximal dreizehn Patienten und haben diese Anzahl auch regelmäßig. Die Gruppengröße hat etwas mit der Gruppendynamik zu tun, auch mit den Möglichkeiten, wie therapeutisch noch gut gearbeitet werden kann. Die Fachleute empfehlen zwischen 10-15 Patienten in einer Gruppe. Unsere Erfahrungen bestätigen das vollkommen. Verbessert wird die Gruppenarbeit noch durch den gemeinsamen Start und die Homogenität der Gruppe.

Die Nachfrage ist groß. Auf was führen Sie den Erfolg zurück?

Auf die Tatsache, dass es im deutschsprachigen Raum ca. 4-5 Millionen Suchtabhängige gibt und wir mit unserem Konzept in Deutschland einmalig sind. Die Ängste, die ein Suchtkranker hat, wenn er sich entscheidet, auf Entzug zu gehen, sind riesig. Hier können wir helfen und diese Sorgen reduzieren. Der kurze Zeitraum von 23 Tagen für Entgiftung und Entwöhnung ist für die meisten Betroffenen ein riesiger Vorteil. Wir machen das im Rahmen eines sogenannten „Qualifiziertem Entzug“. Wir verzichten dabei weitgehend auf Medikamente und setzen dafür auf die Neuro-Elektrische-Stimulation (NES), einer seit 40 Jahren anerkannten Methode zur Entzugsbehandlung. Durch ein Stimulationsgerät, mit Elektroden hinterm Ohr verbunden, werden bestimmte Bereiche im Mittelhirn angeregt. Es kommt zur vermehrten Ausschüttung von Glücksbotenstoffen, wie Dopamin, Endorphin oder Serotonin. Bei Suchterkrankungen fehlen genau diese Botenstoffe und verursachen die bekannten Entzugssymptome. Die NES reduziert vor allem enorm den Suchtdruck. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dieser Methode gemacht. Der Entgiftungsprozess ist meist nach 2-3 Tagen abgeschlossen. Zudem sind die Patienten ab dem zweiten Tag sehr zugänglich und haben kaum noch Suchtdruck. Sie sind konzentriert und können schon von da an therapiert werden. Sie nehmen ab dem zweiten Tag an der Gruppentherapie und an der Einzeltherapie teil und man kann mit ihnen, ohne erst einen gewissen Entzugszeitpunkt abzuwarten, wirklich gleich arbeiten. Daher sind wir nach 3 Wochen so weit, wie andere erst nach 6 Wochen Therapie. Das unterscheidet uns ganz massiv von anderen.

Spielt der kurze Behandlungszeitraum vielen Patienten in die Karten?

Wir haben viele Patienten, die sehr wohl noch berufstätig sind oder sogar in der Öffentlichkeit stehen. Die wollen sich nicht outen und deklarieren ihren Aufenthalt bei uns als Urlaub. Bei einem klassischen Entzug ist man ja mindestens 4-6 Wochen weg. Das ist für viele berufstätige Manager eine große Hürde, da die Angst, den Job zu riskieren, viel zu hoch ist. Ein qualifizierter dreiwöchiger Aufenthalt kommt da wie ein Segen.

Wie hoch ist bei Ihnen die Abbruchquote beziehungsweise die Rückfallquote?

Die Rückfallquote können wir nicht exakt wiedergeben. Obwohl wir eine Katamnese durchführen, indem wir den Entzugsstatus regelmäßig erfragen, erreichen wir nie alle ehemaligen Patienten. Unser Gefühl sagt uns, dass etwa 50% nach einem Jahr noch trocken sind, allerdings können wir das noch nicht mit genauen Zahlen untermauern. Was wir allerdings mit Sicherheit beantworten können, ist die Frage nach der Abbruchquote, die liegt seit Gründung der Klinik tatsächlich bei unter zwei Prozent. Das hat natürlich sehr viel mit unserem Therapiekonzept zu tun. Durch die NES hat der Patient einfach eine bessere Stimmungslage und durch die geschlossene, homogene Gruppe eine sehr hohe Motivation. Die Patienten motivieren sich immer gegenseitig und verbringen bei uns sehr intensive und sehr emotionale 3 Wochen.

Gibt es bei Ihnen auch Nachteile?

Das Therapiekonzept mit dem Fokus auf Alkohol und den geschlossenen Gruppen bringt nur Vorteile für die Patienten. Allerdings kann man zu uns nicht spontan kommen, sondern muss seinen Aufenthalt etwas langfristiger planen. In manchen Monaten sind wir bereits für Wochen ausgebucht. Wer es schafft, einen Platz zu ergattern, erhält das momentan erfolgreichste Entzugskonzept und hat eine gute Chance, langfristig ein abstinentes Leben zu führen.

Frau Dr. Herbst, vielen Dank für das Gespräch.

Was macht Nescure genau?

 „In einem kompakten Therapieblock von nur drei Wochen lernen die Patienten, wie Sie den Teufelskreis aus Sucht, Lügen, Scham und Ohnmachtsgefühlen hinter sich lassen und selbstschädigende Verhaltensmuster in ihrem Berufsleben effektiv verändern“, sagt Herbert Höhlein.

Herbert Höhlein: Gründer und Geschäftsführer der Nescure Privatklinik am See

Der Unternehmer hat nach einem Englandbesuch vor sieben Jahren durch Zufall von der Wirksamkeit der Neuro-Elektrischen-Stimulation (NES) beim Entzug von Suchtkrankheiten gehört. Die Neurochirurgin Meg Patterson beschreibt in ihrem Buch „Der sanfte Entzug“ ihre Methode und wie sie berühmte Persönlichkeiten wie die Musiker Keith Richards, Pete Townshend oder Eric Clapton behandelt hat. Neue wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen mittlerweile die Wirksamkeit der Methode bei Suchterkrankungen und Depressionen. Die Nescure Privatklinik am See wurde 2015 gegründet und ist der Vorreiter der NES in Deutschland. Mehr Info unter: www.nescure.de

Anschrift:
NESCURE®
Privatklinik am See
Am Kurpark 5
82435 Bad Bayersoien

Kontakt:
Tel.: 0800 700 9909
Email: info@nescure.de
Web: www.nescure.de