Hör‘ hin
leb‘ besser!

Warum das Training unserer Ohren für jeden von uns wichtig ist.

Warum das Training unserer Ohren für jeden von uns wichtig ist.

Unser Gehirn benötigt Reize, damit es funktioniert. 75 % der Gehirnaktivität sind mehr oder weniger mit dem Ohr verbunden. Das Ohr ist damit das wichtigste Organ für die Sinnesverarbeitung in unserem Körper.

In unserer Zeit sind viele Menschen mit der Fülle an visuellen und akustischen Informationen überfordert. Darunter leidet nicht nur ihre Aufmerksamkeit, d.h. eine Nachricht als wichtig zu erkennen und ihren Inhalt korrekt zu entschlüsseln. Es wirkt sich auf den ganzen Körper aus. Frau Krüger vom Tomatis Institut Papenburg EinKlangRaum erklärt, warum das richtige Zuhören wichtig und wie es mit einer auf den französischen HNO-Arzt Prof. Tomatis zurückgehenden Methode trainierbar ist.

Frau Krüger, die Tomatis-Methode beschäftigt sich mit dem Hören, warum ist das für jeden von uns interessant?

Das Wort HÖREN ist im Deutschen zweideutig. Im Englischen unterscheidet man ganz eindeutig in to hear und in to listen. Die meisten Menschen können gut to hear, also hören im physiologischem Sinn, sind aber von der Fülle, dessen was sie hören, überfordert. Oft kommen Menschen zu mir, bei denen der Ohrenarzt ein gesundes bzw. altersgerechtes Hören diagnostiziert hat. Worum es bei uns geht, ist das HINHÖREN, das ZUHÖREN oder auch das WEGHÖREN, möglichst alles zur rechten Zeit. Viele Menschen können heutzutage nicht gut zuhören oder eben auch nicht zur rechten Zeit weghören. Sie können nicht filtern und sind komplett überfordert mit dem Übermaß an akustischen und anderen Reizen, denen wir jeden Tag ausgesetzt sind. Das betrifft sowohl ein Kind mit ADHS, das durch die Geräusche in der Klasse überfordert ist und sich so natürlich nicht auf die Stimme des Lehrers konzentrieren kann, als auch Menschen, die sich aufgrund der anderen Personen und einer Hintergrundmusik in einem Restaurant nicht mehr wohlfühlen. Das hat mit dem Alter nichts zu tun. Wir arbeiten im Moment mit Klienten von 3 bis 85 Jahren.

Was heißt RICHTIG ZUHÖREN?

Nimmt man das Beispiel einer Mutter, die zu Ihrem Kind wiederholt sagt, dass es aufräumen soll, passiert folgendes: Vielen Kindern sind die Reize um sie herum zu viel. Sie haben kaum Stille bzw. nie Stille erfahren und wie es mal ist, ohne Reize zu sein. Die Folge ist, dass diese Kinder äußerliche Einflüsse nicht gezielt ausblenden können. Sie können nur „alles rein“ oder „alles raus“. Bei einem Kind, das viel zu viel hört und sich gerade in einem Tunnel befindet, ist die Aufforderung, das Zimmer aufzuräumen, nur ein Geräusch unter vielen. Es kann die Aufforderung der Mutter nicht aufnehmen. Oft hilft es hier, auf das Kind zuzugehen, aufzupassen, dass es einen wirklich hört und dann in nicht mehr als mit vier Wörtern die Aufforderung zu wiederholen.

Wie erreiche ich mit der Tomatis-Methode eine Verbesserung meines Zuhörens?

Hören ist ein hochemotionaler Prozess. Jeder weiß, dass der Krimi seine Spannung ohne die passende Musik verliert. Wir alle kommen mit bestimmten Mustern in diese Welt, bzw. bilden diese sehr schnell. Was wir hier versuchen, ist diese unwillkürliche Reaktion, die das HÖREN hervorbringt, zu korrigieren. Z. B. bellt ein Hund – zack Angst. Da kann man nicht argumentieren, der tut nichts. Die Angst ist da, bevor der Satz kommt. Wir versuchen eine Art Zeitlupe auf diesen Reaktionsweg zu legen. – Pass auf, es könnte sein, dass gleich ein Hund bellt und schau, ob Du so reagieren möchtest wie immer, oder etwas anderes ausprobierst. – Wir reden hier von Millisekunden. Das Gehirn soll die Möglichkeit bekommen, neu zu reagieren. Der Hund ist jetzt nur ein Beispiel, aber das betrifft auch jede andere Reaktion. Das Wichtigste, was wir im Moment machen, ist unseren Hörgästen das Filtern beizubringen, den Überfluss an Informationen zu sortieren: was ist wichtig und was unwichtig.

Gerade Burnout-Betroffene haben Probleme mit dem richtigen Filtern von Reizen, können Sie hier helfen?

Wir stellen regelmäßig fest, dass Menschen, die in eine Burnoutphase oder in eine depressive Phase kommen, hohe Frequenzen nicht mehr gut hören. Wenn hohe Frequenzen nicht gut wahrgenommen werden, wird das Gehirn nicht gut mit Energie versorgt, d.h. es wird langsam, es wird müde und wenn man müde ist, dann zieht man sich zurück und bleibt am besten auf der Couch. Was wir mit Tomatis machen können, ist die hohen Frequenzen, so sie nicht physiologisch zerstört sind, wieder anzuregen und zu regenerieren. Hier ist eine Studie erschienen, wie hilfreich Tomatis gerade in dieser Anwendung ist.

Wie sieht eine Behandlung mit Tomatis aus?

Wir beginnen gewöhnlich mit einem Erstgespräch und einem speziellen Tomatis-Hörtest. Das dauert ca. 1,5 Stunden, bei Kindern auch 2 Stunden. Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass Tomatis die richtige Methode sein könnte, erstellen wir ein individuelles Trainingsprogramm. Es wird meist in 3 Blöcken von 10 bis 12 Tagen mit dazwischen immer länger werdenden Pausen von 4 bis 6 Wochen trainiert.

Rein physiologisch gehen wir über zwei Mittelohrmuskeln. Es gibt im Mittelohr zwei Muskeln, einer sitzt am Trommelfell und einer sitzt am Steigbügel. Diese zwei Muskeln sind die kleinsten, die wir im Körper haben, aber sie sind extrem wichtig. Es sind Strecker- und Beugermuskeln, so wie Trizeps und Bizeps, d.h. wir können sie trainieren. Weil man hier natürlich nicht mit Gewichten arbeiten kann, nimmt man Musik, die so aufbereitet wird, dass es immer kleine Störungen gibt. Man kann sich das Ähnlich einer Störung im Radio vorstellen. Sie merken, dass sie sofort aufmerksam werden. Mit dem elektronischen Ohr von Tomatis können wir diese zu trainierenden Unterbrechungen ziemlich genau steuern. Es geht darum, Aufmerksamkeit im Gehirn zu generieren, nur an anderen Stellen als bisher.

Mit welchen Beschwerden kommen die Menschen zu Ihnen?

Wichtig ist mir zu sagen, dass die Menschen, die zu mir kommen nicht krank sind und eine Behandlung brauchen. Bei einem „normalen ADHS-Kind“ muss etwas trainiert werden, da ist etwas nicht mitgereift und wir lassen es nachreifen. Deshalb sehe ich es mehr als Training denn als Therapie an.

Wir betrachten die Beschwerden grundsätzlich zusammen mit den medizinischen Fachleuten. Aus diesem Grund arbeite ich in meiner Praxis u.a. eng mit einer Logopädin zusammen. Wir machen jedoch nicht nur Übungen mit dem Mund, sondern setzen eine Stufe vorher an, denn das Hören kommt vor der Sprache.

Zu mir kommen Menschen, die in der Kommunikation mit der Welt besser zurechtkommen wollen. Die Spannbreite ist hier sehr groß. Es können Menschen sein, denen ein Hörgerät angeraten wird oder die mit ihrem Hörgerät nicht gut zurechtkommen, Menschen mit Lern-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten sowie jede Form von Entwicklungsverzögerung. Am Gleichgewicht hängt alles, wenn man seinen eigenen Körper nicht gut erfahren hat, kann man den Raum nicht erfahren und dann kann man auch nicht mit anderen im Raum in Beziehung treten. Ich trainiere auch Menschen, die beruflich viel mit der Stimme arbeiten, z.B. Lehrer, Schauspieler, Verkäufer, Sekretärinnen, Manager… Für denjenigen, der oft hören und sprechen muss, ist es wie eine Werkzeugpflege.

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