HOMEOFFICE: DIE NEUE BÜROWELT

Wie man Rücken-, Nackenschmerzen und andere Beschwerden vermeiden kann

Homeoffice hat sich für viele Menschen in kürzester Zeit zum Neuen Arbeitsstandard entwickelt. Und auch unter den Vorzeichen der Corona-Lockerungen, wird das Arbeiten von zu Hause eine gängige Alternative zum klassischen Büro werden und weiter an Bedeutung gewinnen.

Doch so schön das Wort „Homeoffice“ auch klingen mag, seit Ende März 2020 merken viele, wie wichtig nicht nur das Home, sondern auch die Bedingungen im Office sind. Gerne werden die Arbeitsbedingungen im Büro des Arbeitgebers schon mal kritisiert:

Der Stuhl ist schlecht, der Schreibtisch ist kein Sitz-Steh-Tisch, der Bildschirm ist zu klein und die Mouse verursacht Sehnenschmerzen. Gegenüber den Bedingungen in zahlreichen Homeoffices erscheinen die Bedingungen jetzt häufig in einem ganz anderen Licht. Viele Arbeitgeber wurden gefragt, ob man den Bürostuhl nicht mit ins Homeoffice nehmen kann. Das ist aber keine zukunftsfähige Lösung, wenn man sowohl im klassischen Büro, als auch zu Hause arbeiten will. Zahlreiche Beratungsgespräche in den zurückliegenden Wochen machen deutlich, wie beschwerlich das Arbeiten im Homeoffice sein kann, wenn die Bedingungen schlecht sind.

Was brauche ich im Homeoffice?

Lassen wir die technischen Rahmenbedingungen mal außer Acht. Die sollten in den meisten Fällen vorhanden sein. Was benötige ich, um beschwerdefrei, rückenfreundlich, konzentriert und effizient von zu Hause aus arbeiten zu können? Der Stuhl: Für lange Sitztage ist ein Küchen- oder Esszimmerstuhl keine Lösung. Der Arbeits-/ Bürostuhl muss passen – im Idealfall wie ein „Maßanzug“. Der Stuhl sollte also der Konstitution des Nutzers gerecht werden. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man klein oder groß ist, leicht oder schwer, dünn oder eher propper ist. Sind die Beine lang oder eher kurz? Wie sieht es mit dem Oberkörper und den Armen aus? Dann geht es um die Sitzdynamik. Statisches Sitzen ist definitiv schlechtes Sitzen. Trotzdem passiert es, dass dynamische Stühle zu starren gemacht werden, weil man die Einstellungen nicht kennt odersich über die Folgen nicht klar ist. Es gilt einen Stuhl zu finden, der ausreichend stützt, ohne das natürliche Bewegungsbedürfnis unnötig zu unterdrücken. Im Idealfall aktiviert der Stuhl die Durchblutung und Muskulatur und sorgt für wechselnden Bandscheibendruck. Am Ende muss ich dynamisch sitzen und mich wohl fühlen. Ob das ein Stuhl mit Synchromechanik, BalanceMovement-Mechanik, Bioswing-Sitzwerk, 2PP-Mechanik oder doch ein aktiv-dynamischer Hocker ist, kann man nur durch praktische Sitzproben herausfinden. Als Online-Kauf funktioniert das normalerweise nicht.

Merke: Der Stuhl muss zu mir passen und individuell eingestellt sein.

-Die beste Sitzposition ist immer die nächste.

Die Arbeitsfläche:

Zu Hause wird das allzu oft der Küchen- oder Esszimmertisch sein. Das bedeutet eine feste Tischhöhe um 74cm. Die Küchentheke mit einer Höhe über 100 cm oder der Kinderschreibtisch mit unter 65 cm scheiden eigentlich aus. Ist der Küchentisch also gut geeignet? Die Frage kann so nicht beantwortet werden. Hat man den Stuhl richtig eingestellt, kann man aus der Sitzposition die richtige Tischhöhe ableiten. Bei Menschen von 150 bis über 200 cm Körpergröße liegt die richtige Tischhöhe zwischen knapp 65 und über 80 cm. Korrigiert man einen zu hohen Tisch durch das dauerhafte Anziehen der Schultern, sind Schulter-/Nackenschmerzen garantiert.

Ist der Tisch zu niedrig, wird sich früher oder später der untere Rücken melden. Glaubt man die falsche Tischhöhe über eine falsche Sitzhöhe ausgleichen zu können, werden Druckstellen, Einschränkungen des venösen Rückflusses, „dicke Füße“ und schließlich Krampfadern das Ergebnis sein.

Merke: Die richtige Tischhöhe ist wichtig und ergibt sich aus der korrekten Sitzposition/Stuhleinstellung.

Die Größe der Arbeitsfläche wird sich nach den häuslichen Bedingungen richten müssen. Ein wichtiges Kriterium ist die Tischtiefe, um einen ausreichenden Sehabstand zu gewährleisten. Hier haben sich 80 cm als Standard etabliert. Wer meint, das nicht berücksichtigen zu müssen, weil er sowieso mit dem Laptop arbeitet, sollte sich klar machen, dass am Laptop meist sowohl die Tastatur unergonomisch ist, als auch der Bildschirm. Sollte der Bildschirm doch gut sein, stimmt der Sehabstand trotzdem nicht und die Augen werden auf Dauer hoch belastet. Das sollte man nicht unterschätzen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Anders formuliert: Ihr Körper vergisst nichts. Er lässt sich allerdings allzu oft mit dem Aufzeigen der Konsequenzen Zeit. Die sind dann meist schmerzhaft und folgenreich und reichen von Haltungsveränderungen über Rückenschäden mit Ausstrahlungen bis hin zu Venenleiden.

Sitz-Steh-Tische ermöglichen eine weitere Erhöhung der Dynamik. Das Arbeiten im Stehen sorgt für eine Entlastung der Bandscheiben und im Wechsel mit der Arbeit im Sitzen für eine weitere Belastungsreduzierung.

So ein Tisch sollte ein paar Mindestkriterien erfüllen,sonst kann es eine teure Fehlinvestition werden. Tastatur – Mouse – Monitor: Im letzten Schritt kümmert man sich um die richtige Positionierung der Arbeitsmittel.

Die Tastatur steht 5 bis 15 cm von der vorderen Tischkante entfernt (Handballenauflage).

Dann kann man entspannt und dynamisch Sitzen und im Idealfall wird der Schultergürtel durch die korrekt eingestellten Armlehnen entlastet.Je weiter die Tastatur auf den Tisch in Richtung Monitor verschoben wird, je schlechter wird die Haltung und die Verspannungen im Nackenbereich steigen extrem.

Die Mouse sollte zur Handgröße passen und nah an der Tastatur bedient werden. Je weiter weg sie platziert wird, desto höher sind die Sehnenansatzbelastungen. Die Position des Monitors sichert einen ausreichenden Sehabstand und die obere Bildschirmzeile ist maximal auf Augenhöhe ausgerichtet.

Das Arbeitsplatzsystem ist relativ komplex und nicht immer ist der Stuhl die Ursache der Beschwerden. Warum einen Bürostuhl kaufen,wenn ein professioneller Vorlagenhalter oder die Korrektur der Tischhöhe die Lösung ist.

Ein guter Arbeitsplatz ist am Ende nie teuer. Er wird seinen Nutzer viele Jahre treu begleiten, Belastungen reduzieren, Wohlbefinden steigern, die Leistungsfähigkeit erhöhen und zu mehr beschwerdefreien Zeiten beitragen.

width=

Anschrift:
Lothar Jux
Odenthaler Straße 138
51465 Bergisch Gladbach

Kontakt:
Telefon +49 2202 25 19 81

Email: info@ergonomieberatung.org
Web: www.ergonomieberatung.org