IOZK
Immun-Onkologisches Zentrum Köln

Mit der personalisierten Immuntherapie gegen Krebs

Mit der personalisierten Immuntherapie gegen Krebs

Das IOZK in Köln ist auf die zeitnahe Umsetzung der Erkenntnisse aus der immunologischen Grundlagenforschung für die Behandlung von Krebserkrankungen spezialisiert. Herr Dr. Stücker erklärt, wie mit einem Tumorimpfstoff das Immunsystem des Patienten befähigt wird, selbst gegen das Tumorwachstum vorzugehen.

Herr Dr. Stücker, was versteht man unter einer personalisierten Immuntherapie?

Ziel der Immuntherapie ist, dass der Patient, bzw. sein Immunsystem aktiv gegen die entarteten Zellen vorgeht. Im Gegensatz dazu bleibt er selbst passiv bei herkömmlichen Therapien, wie z. B. Chemo- oder Strahlentherapie. Seit 2016 gibt es Medikamente, die das Immunsystem im Kampf gegen Tumorzellen unterstützen, so genannte Checkpoint-Inhibitoren. Die Voraussetzung für deren Wirksamkeit ist jedoch, dass das Immunsystem bereits gegen den Tumor aktiv ist. Weil es sich bei Tumorzellen um körpereigene Zellen handelt, greift das Immunsystem diese eigentlich nicht an. Die Anzahl der Patienten, denen diese Therapie nutzen kann, ist daher gering.

Unser Ansatz ist nun, eine Immunreaktion gegen die Tumorzellen anzuregen. Wir haben Strategien entwickelt, Tumorzellenzellen für das Immunsystem zu markieren und als bösartig erkennbar zu machen. Das ist gar nicht so einfach, denn das Immunsystem geht nur gegen körperfremde Zellen vor. Körpereigene Zellen dürfen nur attackiert werden, wenn sie infiziert sind, z. B. durch ein Virus. Dann verändert sich die Zelloberfläche und das Immunsystem stuft die Zellen als gefährlich ein.
Wir infizieren die Tumorzellen mit einem für den Menschen harmlosen Virus. Dadurch werden sie für das Immunsystem als bösartig erkennbar, so dass eine Immunantwort gegen die Krebszellen ausgelöst wird. Zusätzlich können wir aus spezialisierten Immunzellen, so genannten Dendritischen Zellen, und Tumorfragmenten („Antigenen“), eine Impfung für den Patienten herstellen. Weil jeder Tumor jedoch einzigartig ist, muss man aus dem Tumorantigen des jeweiligen Patienten den Impfstoff herstellen. Für jeden Patient wird also ein individueller Impfstoff hergestellt- das ist personalisierte Immuntherapie.

Spürt der Patient Nebenwirkungen durch den Virus?

Wenn das Immunsystem erstmals mit dem Virus konfrontiert wird, können grippeartige Beschwerden auftreten, die leicht mit Paracetamol behandelbar sind. Diese Nebenwirkung tritt in der Regel nur einmal auf.

Insgesamt ist diese Therapie nebenwirkungsarm: sie richtet sich nur gegen die entarteten Zellen. Nebenwirkungen resultieren immer daraus, dass gesunde Zellen durch eine Therapie in Mitleidenschaft gezogen werden. Je spezifischer, also zielgenauer eine Therapie ist, desto weniger Nebenwirkungen gibt es. Mit dieser Immuntherapie aktivieren wir nur körpereigene Zellen, die sowieso schon da sind.

Wenn der Tumor mutiert, irritiert es das Immunsystem?

Durch Mutationen entstehen neue Tumoreigenschaften („Neoantigene“), auf die das Immunsystem aufmerksam werden kann. In diesen Fällen können Immunreaktionen entstehen bei denen dann gegebenenfalls die neuen Check-Point-Antikörpertherapien wirksam werden können.

Wie ist der Ablauf der Therapie?

Bei jedem Patienten, der zu uns kommt, machen wir zunächst eine eingehende Analyse des Immunsystems. Dann gewinnen wir Tumorantigen. Wenn Tumormaterial von eine Biopsie oder Operation vorliegt, arbeiten wir dieses auf, um das Immunsystem darauf zu „trainieren“. Dafür benötigen wir Antigenpräsentierende Zellen, so genannte Dendritische Zellen vom Patienten. Deren Entdeckung wurde übrigens 2011 mit dem Nobelpreis für Medizin gewürdigt. Dendritische Zellen können wir im Labor in großer Menge aus einer Gruppe weißer Blutkörperchen generieren und mit Tumorantigen beladen. Dann werden sie in die Haut des Patienten gespritzt und wandern zu den Lymphknoten. Dort werden spezielle zytotoxische Zellen ausgebildet, die die Tumorzellen vernichten sollen. Wir führen zunächst zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen durch. Dank der guten Verträglichkeit kann die Therapie ambulant durchgeführt werden. Die Patienten kommen in der Regel in der Woche vor der Impfung täglich für etwa zwei Stunden zu uns für die Konditionierung des Immunsystems. Wenn das Immunsystem einmal gelernt hat, gegen Tumorzellen vorzugehen, kann es für erlernte Strukturen ein immunologisches Gedächtnis bilden. Es wird darauf aufmerksam, wenn der Tumor z. B. Metastasen bildet und kann diese frühzeitig bekämpfen. Die Immuntherapie bietet daher einen nachhaltigen Therapieeffekt. Wenn die Reaktion des Immunsystems messbar schwächer wird, kann man eine weitere Impfung durchführen, auch unter Verwendung neuer Antigene.

Wann ist der optimale Behandlungszeitpunkt für diese Therapie?

Am günstigsten ist es, die Therapie direkt nach der vollständigen Entfernung des Tumors zu beginnen. Bei der Operation sollte ein Teil des entfernten Tumorgewebes für die spezifische Immuntherapie verwendet und unmittelbar an das zuständige Speziallabor gesandt werden. Unsere Immuntherapie ist normalerweise zu jedem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf möglich. Je früher sie einsetzt, desto günstiger sind die Erfolgsaussichten, besonders bezüglich der Vermeidung von Rückfällen.

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