Mit Ängsten umgehen

Ängste sind fester Bestandteil unseres Lebens. Und das nicht nur in Zeiten der Pandemie. Woher sie kommen, wovor sie uns warnen und wie wir damit umgehen können, erzählt die Bergisch Gladbacher Coaching-Expertin Dolores Holzer im Interview.

In Ihrer Praxis beschäftigen Sie sich mit Ängsten in jeglicher Form. Was ist besonders an dem Thema „Angst“?

Dolores Holzer

Zunächst einmal ist Angst ein natürliches Gefühl. Dieses Gefühl ist normalerweise als ein Alarmsignal positiv zu betrachten. Es kann sich unter Stress oder psychischer Belastung so verändern, dass es zu Panikattacken werden kann oder das eigene Leben in seiner Qualität behindert, weil das komplette Leben nur noch das Thema Angst beinhaltet.

Sind Ängste normal, tragen wir sie alle in uns? Gibt es unterschiedliche Ängste und wodurch unterscheiden sie sich?

Wie es schon in meiner Antwort vorher angeklungen ist, sind Ängste Emotionen, die jeder Mensch hat. Es ist völlig normal, und es ist auch nichts Schlimmes zuzugeben, dass jemand in konkreten Lebenssituationen Angst hat. Es gehört zu den grundlegenden Emotionen eines Menschen und ist evolutionsmäßig als Überlebensstrategie zu sehen. Wenn ich auf eine Klassifikation von Ängsten abstelle, dann gibt es unterschiedliche Arten von Ängsten, die die Lebensqualität verringern, weil diese überhand nehmen und sich alle Gedanken um diese Ängste drehen. Meistens ist es so, dass die Ängste sich unmerklich steigern. Panikattacken dagegen (auch eine Form) treten urplötzlich auf. Es gibt ganz allgemein Ängste, die sich auf das komplette Leben auswirken und andere (diese nennen sich Phobien), die sich auf spezielle Gegenstände, Tiere oder Situationen beziehen. Hier gibt es so viele unterschiedliche wie man sich Gegenstände, Tiere oder Situationen vorstellen kann.

Inwieweit begleiten Ängste unseren Alltag und ab wann wird Angst gefährlich?

Ich würde es nicht so ausdrücken, dass Angst „gefährlich“ ist, sondern die Lebensqualität des Menschen verringert sich. Wenn sich das Leben immer mehr um das Thema Angst dreht und die normalen alltäglichen Pflichten oder Handlungen nicht mehr ohne Gedanken an Angst durchgeführt werden können, dann ist es auf jeden Fall wichtig sich Hilfe zu holen. Es leidet dann auch der Selbstwert darunter und so kommt eines zum anderen. Die Angst selbst ist nicht schlimm, sondern es geht darum, richtig mit dieser umgehen zu lernen und diese dann Schritt für Schritt zu verringern.

Wann kommen Sie ins Spiel? Wann suchen Menschen Ihre Hilfe auf?

Das ist sehr unterschiedlich von Klient zu Klient. Der eine kommt früher, der andere später. Je später es ist, desto länger kann der Prozess sein. Die Angst einfach zu verringern, ist dabei das kleinere Thema, wichtig ist zu erkennen, wieso es möglicherweise dazu gekommen ist, um sein eigenes Verhalten anzupassen, damit es nicht wieder passiert, weil man für sich selbst sorgt. Aber es ist immer wichtig, herauszufinden, ob es organische Ursachen oder andere Störungen gibt, die Ursache oder Begleitsymptom der Angst ist. Auch das ist sehr wichtig, herauszufinden. Deshalb ist möglicherweise auch der Hausarzt wichtig, der eine organische Ursache für die Angst ausschließt.

Lassen sich Ängste „wegcoachen“?

Es macht keinen Sinn, Ängste wegzucoachen. Das Ergebnis sollte sein, dass die Angst als Warnsignal wahr genommen werden kann, dass Angst also unter bestimmten Bedingungen als positiv erkannt wird und nur keine überhandnimmt bzw. nicht zu einem Grübeln über die eigene Angst führt, also ein angenehmeres Leben ist das Ziel.

Können Sie uns Ihren Therapieansatz und Ihre Herangehensweise grob beschreiben?

Wie ich mit dem Klienten oder Patienten arbeite, hängt von den Voraussetzungen ab, welche Grundlage die Angst hat, wie der Klient eingestellt ist, was für Vorlieben der Klient hat. Wenn die Angst beispielsweise ein Symptom einer leichten Depression oder Belastungsstörung ist, dann ist die Vorgehensweise eine andere als wenn es sich um eine reine Phobie handelt. Es kann nicht immer nach dem selben Ansatz gearbeitet werden, sondern ist immer klientenspezifisch und auf die spezielle Situation abgestellt.

Die Pandemie hat einiges durcheinander gebracht. Was hat sich in Bezug auf Ihre Arbeitsweise verändert? Sind vielleicht neue Kommunikationsformen entstanden?

Ja, die Pandemie war für so manchen Kollegen eine Herausforderung. Denn unter den Bedingungen, dass man den Klienten nicht unmittelbar treffen darf, ist ein Umstieg notwendig gewesen. Für mich war das nichts Neues. Ich habe es selbst schon vorher ausnahmsweise probiert. Auch wenn es nicht immer optimal ist, so ist es doch möglich, auch digital also per Computer mit dem Klienten zu arbeiten. Ich habe die Vorteile zu schätzen gelernt, weil auch die zeitliche Flexibilität größer ist. Aber auch Klienten erkennen die Vorteile. Wenn die Pandemie einigermaßen überwunden ist, werde ich es beibehalten, weil ich dann auch mal schnell reagieren kann, wenn jemand ganz schnell Hilfe und Unterstützung benötigt. Aber auch ein direktes Treffen ist dann sicherlich wieder möglich.

Sind manche Menschen empfänglicher für Ängste oder sogar Angststörungen?

Wenn ein Mensch von seinen Eigenschaften her eher ein ängstlicher Typ ist, dann kann es sein, dass dieser sich eher in diese Gedanken vertieft und damit leichter in eine Angststörung gerät. Das muss aber nicht sein. Denn wenn dieser Mensch sich mit positiver Psychologie auseinander setzt, dann kann genau diese Person sich in das Gegenteil entwickeln und damit weniger anfällig sein. Aber auch das bedeutet keine Sicherheit, denn es kommt auch darauf an, was jeweils im Leben eines Menschen passiert, welchen Situationen die jeweilige Person ausgesetzt ist. Wenn eine Person zum Beispiel einen Überfall erlebt, dann kann ein sehr positiv eingestellter Mensch sehr ängstlich werden, was nachvollziehbar ist.

Ist Angst ein guter Berater?

In normalen Situationen ist Angst die Voraussetzung, um ohne weiteres Nachdenken sehr schnell reagieren zu können, deswegen gibt es auch die physiologischen Reaktionen des Körpers. Dieser wird einfach für ein schnelles Handeln vorbereitet. Wenn man so will, ist Angst erst mal ein guter Berater.

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