Nervenschäden bei Diabetes werden oft unterschätzt

Wissenschaftler warnen vor schweren Folgen von Schmerzen bis zur Amputation

Wissenschaftler warnen vor schweren Folgen von Schmerzen bis zur Amputation

(djd). Anfangs ist es nur ein Kribbeln oder Brennen an den Füßen, doch mit der Zeit können sich aus diesen scheinbar harmlosen Warnsignalen schwerwiegende Schäden an den sensiblen Nervenfasern und an den Füßen entwickeln. Dieses Phänomen, Neuropathie genannt, wird von vielen Diabetikern nicht beachtet und unterschätzt. Das zeigt die aktuell veröffentlichte, sogenannte PROTECT-Studie, die anlässlich des Deutschen Diabetes-Kongresses 2018 vorgestellt wurde. Studienleiter Prof. Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes Zentrum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf appelliert an Diabetiker, ihren Füßen Aufmerksamkeit zu schenken und nicht abzuwarten, wenn Beschwerden auftauchen. Wird die diabetische Neuropathie früh erkannt und behandelt, können Nervenschäden und Folgekomplikationen ausgebremst werden. Ohne eine Therapie schreitet die Nervenschädigung voran, Schmerzen nehmen meist zu, während gleichzeitig schmerzlose Wunden entstehen können, die das Risiko für Amputationen am Fuß erhöhen.

Vitamin B1-Speicher wieder auffüllen

Um diesem schleichenden Prozess vorzubeugen, ist eine möglichst gute Blutzuckereinstellung wichtig. Zusätzlich sollten Betroffene ein Vitamin B1-Defizit ausgleichen. Denn es kann Neuropathien vorantreiben. Der Grund: Das Vitamin ist für die Funktion der Nerven unverzichtbar, wird aber bei vielen Diabetikern vermehrt über die Nieren ausgeschieden – dadurch steigt das Risiko für einen Mangel, der Nervenschäden fördern kann. Die Vitamin B1-Speicher des Körpers können durch eine Vorstufe, das Benfotiamin, wieder aufgefüllt werden. Es ist beispielsweise in milgamma protekt enthalten, das es rezeptfrei in der Apotheke gibt. Dieses Provitamin kann vom Körper fünfmal besser aufgenommen werden als das herkömmliche Vitamin B1. Durch den Ausgleich des Vitamin-B1-Mangels wirkt es Neuropathien entgegen und kann so auch Kribbeln, Brennen, Schmerzen und Taubheit in den Füßen lindern.

Bei Symptomen selbst aktiv werden

Dass hinter diesen Symptomen eine Nervenschädigung steckt, ist vielen Menschen nicht bekannt – so lautet ein Ergebnis der PROTECT-Studie, an der 1.850 Menschen teilnahmen. Rund 70 Prozent derjenigen, bei denen sich eine Nervenschädigung herausstellte, wussten zuvor nichts davon. Studienleiter Ziegler fordert Diabetiker auf, ihre Füße regelmäßig selbst unter die Lupe zu nehmen und einen Arzt zu Rate zu ziehen.

Den Lebensstil ändern

(djd). Die Diagnose Diabetes sollte ein Hinweis darauf sein, seinen Lebensstil zu überprüfen und sich mit seinem Arzt zu beraten, welche Änderungen sinnvoll sind. Wer sich ausgewogen ernährt und regelmäßig bewegt, kann einen großen Beitrag dazu leisten, den Diabetes und Folgeerkrankungen wie Nervenschäden in den Griff zu bekommen. Darauf weist Dr. Alin Stirban, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Diabetologie und Endokrinologie der Schön Klinik Nürnberg Fürth, hin. Stimmt die Blutzuckereinstellung, dann sollten darüber hinaus auch Blutdruck und Blutfette behandelt werden, falls diese erhöht sind. Außerdem gilt es, einen Vitamin B1-Mangel auszugleichen.

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Bildquellen und Urheberrechte:

— Bildunterschrift für Bild 1 —
Viele Diabetiker nehmen erst spät wahr, wenn ihre Krankheit die Nervenfasern geschädigt hat. Treten Beschwerden an den Füßen auf, sollten Betroffene daher frühzeitig mit ihrem Arzt darüber sprechen.
Foto: djd/Wörwag Pharma/colourbox,de

— Bildunterschrift für Bild 2 —
Eine gute Einstellung des Blutzuckers (im Bild: Blutzuckermessung) ist das A und O, um Nervenschäden vorzubeugen.
Foto: djd/Wörwag Pharma/[londoneye] – iStock

— Bildunterschrift für Bild 3 —
Wenn die Füße kribbeln und brennen, ist dies häufig ein Anzeichen für eine so genannte Neuropathie, eine Nervenschädigung durch Diabetes.
Foto: djd/Wörwag Pharma/colourbox,de