Venenkleber

Interview mit Dr. med. Jörg Fuchs - Praxis für Chirurgie und Gefässmedizin

Dr. Fuchs, Sie gehören zu den 20 in Deutschland tätigen Venenklebertherapeuten, warum haben Sie sich auf diese Behandlungsmethode spezialisiert?

In meiner 30 jährigen Tätigkeit als Gefäßchirurg, in der ich Venen, insbesondere Krampfandern behandelt habe, war es für mich wichtig, nach einer Therapie Ausschau zu halten, die meine Patienten so wenig wie möglich belastet.

Vor 100 Jahren entwickelte man eine Operationsmethode, bei der die erkrankte Vene aus dem Bein herausgezogen wurde. Auch heute noch werden Krampfadern mit dem Stripping-Verfahren operativ entfernt. Daneben gibt es die Laser-, Radiowellen- oder Heißdampftherapien. Bei diesen Eingriffen wird ein Katheter in die erkrankte Vene eingeführt und diese von innen (endovenös) verschlossen. Das Blut kann so nicht mehr zurückfließen. Damit gibt es keinen Rückstau mehr und keine Schwellung der Beine. Alle diese Verfahren sind jedoch nur unter Narkose durchführbar und die Patienten müssen nach dem Eingriff eine Zeit lang Kompressionstrümpfe tragen. Beim Einsatz des Venenklebers wird auch ein Katheter in die Vene eingeführt, eine Narkose ist jedoch nicht erforderlich und auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen entfällt, da die Beine durch den Kleber nicht anschwellen. Dieser Eingriff behindert die Patienten in keiner Weise. Sie können danach mit dem Fahrrad nach Hause fahren und abends zum Yoga gehen.

Viele Leute haben Angst davor, einen künstlichen Stoff im Körper zu tragen, ist das begründet?

Nein, der Venenkleber wird seit 1960 in der Chirurgie verwendet. An der Heidelberger Kinder-Universitätsklinik hatte man damit angefangen. Mit dem Kleber wurden Gewebelöcher verschlossen, z. B. am Herzen oder an den Gefäßen. Später wurden blutende Hirngefäße mit dem Kleber über einen Katheter verschlossen. Der Kleber verbleibt nicht dauerhaft im Körper, anders als eine Prothese in der Hüfte oder im Knie. Er wird zusammen mit der Vene vom Körper resorbiert und nach ca. 1,5 Jahren verstoffwechselt, d.h. von der Lunge als CO2 abgegeben und von der Niere als Wasser ausgeschieden.

In den 6 Jahrzehnten, in denen der Klebstoff bereits eingesetzt wurde, unterlag er ständigen Kontrollen, Testverfahren und Dokumentationen. Es sind weder allergische Reaktionen noch Vergiftungserscheinungen oder krebsgefährdende Inhaltsstoffe bekannt.

Bis auf was für eine Länge kann man eine Krampfader mit diesem Kleber verkleben?

Die Venen transportieren das Blut zum Herzen zurück. Es gibt tiefliegende Venen, die im Zusammenhang mit der tiefen Beinvenenthrombose stehen, und oberflächliche Venen, die Krampfadern ausbilden können. Letztere werden mit dem Venenkleber behandelt. Die oberflächlichen Venen münden in der Leiste oder in der Kniekehle in die tiefen Venen. Ähnlich, wie bei einem angeschlossenen Wasserschlauch muss man den Wasserhahn zudrehen, damit kein Wasser bzw. Blut mehr fließt. Dieser Wasserhahn sitzt in der Leiste oder in der Kniekehle. Der Katheter ist 80 cm lang. Die Krampfader wird in der Leiste beginnend bis zur Mitte des Unterschenkels verklebt. Selbst bei großen Menschen sind das maximal 60-65 cm. Ich setze mit dem gelartigen Kleber im Abstand von 3 cm Klebepunkte. Dazwischen zieht sich ein kleiner Klebefaden. An diesen Stellen schrumpft die Vene zusammen. Mit Hilfe des Ultraschalls sehe ich immer, wo ich mich befinde. Die Klebepistole gibt immer nur einen Klebepunkt ab. Circa 1- 1,5 ml Venenkleberwerden pro Bein benötigt.

Ist dieses Verfahren für jede erkrankte Vene geeignet?

Wie bei allen Verfahren gilt, jede oberflächlich erkrankte Vene ist behandelbar, in der ich mit dem Katheter, egal ob Laser-, Radiowellen- oder Klebekatheter durch die Stammvene heraufkommen kann. Dabei ist eine möglichst geradlinige, langstreckige Vene von Vorteil. Krampfadern-Rezidive werden mit keinem der angesprochenen Verfahren behandelt, sondern mit einer Verödungstherapie, wie der Schaumsklerotherapie.

Wo fließt das Blut hin?

Bei einer Krampfader fließt das Blut in die falsche Richtung durch die Vene zurück, weil die Vene zu weit ist. Die Venenklappen schließen dann nicht mehr komplett. Die Folge ist, dass sich das Blut ins Bein zurückstaut und die tiefen Venen noch mehr Arbeit leisten müssen. Wird die krankhafte Vene verschlossen, arbeiten die tiefen Venen wieder normal und die Beine schwellen nicht mehr an.

Können sich danach neue Krampfadern bilden?

Mit einer Erfolgsquote zwischen 96 und 98 % nach 5 Jahren ist der Venenkleber ein sehr erfolgreiches Verfahren. Diese Ergebnisse gelten übrigens für alle Verfahren, die hier angesprochen wurden. Es gibt Venenverbindungen in der Leiste und an anderen Stellen des Beines zwischen den tiefen und den oberflächlichen Venen. An diesen Stellen können neue Krampfadern nachkommen. Das kann bei jedem Verfahren auftreten. Rezidiv-Krampfadern behandle ich mit der Schaumsklerosierung.

Was für Voruntersuchen sind nötig und muss der Patient vor dem Eingriff etwas beachten?

Neben dem Anamnesegespräch sind keine ausgiebigen Voruntersuchungen notwendig. Weil keine Narkose notwendig ist, entfällt das Narkosegespräch, es ist kein EKG notwendig und keine Blutabnahme. Wichtig ist, dass der Patient im Vorfeld sowohl körperlich untersucht wird, als auch mit dem Ultraschallgerät kontrolliert wird, ob die tiefliegenden Venen frei sind. Bei einer Thrombose in der Vorgeschichte muss noch viel genauer untersucht werden, da es der Fall sein kann, dass die oberflächliche Vene zum Blutabtransport benötigt wird.

Vor dem Eingriff selbst müssen sich die Patienten nicht einschränken. Sie dürfen normal essen, trinken und ihre Medikamente nehmen. Das ist besonders wichtig für Diabetiker. Aber nicht nur Insulin darf gespritzt werden. Auch Patienten, die Tabletten mit gerinnungshemmender Wirkung nehmen, müssen diese nicht absetzen.

Übernehmen die Krankenkasse die Kosten für dieses Verfahren?

Nicht nur Privatkassen übernehmen die Kosten für dieses Verfahren, auch gesetzliche Krankenkassen, wie z. B. die BKK Novitas oder Mobil Oil übernehmen diese auf Antrag. Es gibt integrierte Versorgungsverträge, die es möglich machen, dass auch Ihre Krankenkasse die Kosten für diesen Eingriff übernimmt. Eine ambulante Behandlung mit dem Venenkleber ist günstiger, als ein stationärer Stripping-Eingriff. Auch eine Narkoseunverträglichkeit, Probleme mit dem Anziehen und Tragen von Kompressionsstrümpfen begründen eine Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse. Es ist daher sinnvoll einen Antrag zu stellen.

Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?

Die Risiken aus einer Narkosebehandlung entfallen, denn eine Narkose ist für diese Behandlung nicht erforderlich. Die Beine müssen nach dem Eingriff nicht gewickelt werden, auch das postoperative Tragen von Kompressionsstrümpfen ist nicht erforderlich. Wer Kompressionsstrümpfe aufgrund seines Berufes im Alltag trägt, kann sie weitertragen.

Es gibt Begleitwirkungen in Form von Rötungen im Verlauf der Vene. Wie bei allen Verfahren reagieren das Gewebe und die Lymphwege auf den Eingriff. An den Einstichstellen des Katheters kann der Patient, wie beim Blutabnehmen, einen Bluterguss bekommen. Manchmal ist ein Gefühl ähnlich einem Muskelkater möglich. Diese Begleiterscheinungen lassen sich mit leichten Schmerzmitteln und abschwellenden Maßnahmen behandeln.

Das Verfahren des Venenklebers ist für die Patienten weder vor noch nach dem Eingriff belastend und hat einen sofortigen effektiven Nutzen. Die Patienten verlassen mit einem kleinen Pflaster meine Praxis und können mit dem Fahrrad nach Hause fahren und am selben Tag noch in den Urlaub fliegen.

Ich bin nicht nur Phlebologe und Gefäßchirurg, als Allgemeinchirurg behandele ich auch Patienten z. B. mit Leistenschmerzen. Häufig haben Schmerzen ganz andere Ursachen als einen Leistenbruch. Diese können auch aus einer Fehlstellung der Haltungs- und Bewegungsmuskulatur entstehen. Immer da, wo der Chirurg operativ nicht ansetzen kann, weil effektiv kein zu beseitigender Schaden vorliegt, liegt der Grund meist im Muskel-/Sehnen- oder Kapselapparat. Hier setzt der Physiotherapeut an, mit dem ich in meiner Praxis eng zusammenarbeite.

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